Schlafstörung und Behandlung

Der Meister des Schlafens:
Koalabären schlafen bis zu
20 Stunden pro Tag.
Schlafstörungen sind sehr häufig eine Folge von Depressionen und Angsterkrankungen, können abergenauso auch alleine auftreten. Oft reichen Alltagsstress, vorübergehende Sorgen oder ähnliches aus um den Schlaf einer Person negativ zu beeinflussen. Die meisten Leute hatten wohl schon einmal in ihrem Leben leichte Schlafprobleme, problematisch wird es aber wenn Schlafprobleme anfangen das tägliche Leben zu beeinflussen.


Leidet man untertags aufgrund von Schlafmangel an chronischer Müdigkeit, hat Angst vor dem ins-Bett-gehen oder greift gerne zum Alkohol um besser schlafen zu können wird die Sache problematisch.

In den meisten Fällen reichen Allgemeinmaßnahmen aus um einen guten Schlaf wieder zu erlangen, in manchen Fällen können Phytopharmaka oder rezeptfreie Arzneimittel Abhilfe schaffen, zum Beispiel wenn die Schlafstörungen nur punktuell (zum Beispiel vor Prüfungen) auftreten, in besonders schweren Fällen kann aber auch eine Medikation durch einen Arzt nötig sein.

Schlafstörungen sind ein sehr weiter Begriff, hier soll es vor allem um die klassischen Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen gehen, welche als Folge zu Müdigkeit und Unausgeglichenheit führen.


Allgemeinmaßnahmen - Verbesserung der Schlafhygiene

Bei leichten Formen von Schlafstörungen reicht eine Verbesserung der Schlafhygiene meist aus um das Problem zu beheben. Man sollte zunächst immer probieren durch diese Punkte seine Schlafprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei gilt es folgende 9 Punkte zu beachten und umzusetzen:
  • Das Bett soll ausschließlich zum Schlafen verwendet werden, höchstens noch zum Lesen vor dem Einschlafen. Wenn man merkt dass man nicht schläft sollte man das Bett auch wieder verlassen und etwas anderes tun bis man das Gefühl hat müde genug zum Schlafen zu sein. Dies kann wenn man es anders gewohnt ist und gerne ganze Tage im Bett verbracht hat viel Disziplin erfordern ist aber sehr wichtig.
  • Kein Fernsehschlaf. Auch wenn wir das Gefühl haben bei einer vertrauten Serie am besten zur Ruhe zu kommen wirkt sich Fernsehschlaf negativ aus. Dialoge, Szenenwechsel usw. wühlen das Gehirn auf und beeinflussen das Unterbewusstsein. Es fällt dem Gehirn auf jeden Fall schwerer ganz abzuschalten wenn im Hintergrund der Fernseher läuft, auch wenn wir das subjektiv anders empfinden.
  • Ab drei Stunden vor dem Einschlafen sollte nichts mehr gegessen werden und auch möglichst wenig getrunken. Dies ist wichtig da der Körper erst wenn der Magen leer ist dazu fähig ist den Tiefschlaf einzuleiten. Außerdem ist es generell so dass man bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel müder ist. Ein absolutes No-Go sind natürlich  Kaffe und andere koffeinhaltige Getränke, am besten ist es schon ab dem späteren Nachmittag darauf zu verzichten (zum Beispiel Cafe, Cola oder grüner und schwarzer Tee).
  • Es gilt einen möglichst regelmäßigen Schlafrythmus anzustreben und auf Nickerchen untertags zu verzichten.
  • Idealerweise dient das ganze Schlafzimmer nur zum schlafen. Dies ist aber manchmal aufgrund von Raumknappheit (zum Beispiel Zimmer in Wohngemeinschaft) nicht zu realisieren. Man sollte dann wenigstens darauf achten dass der Schlafbereich möglichst gemütlich gestaltet ist.
  • Gedanken und Sorgen sollte man nicht ins Bett mitnehmen. Es kann helfen sich "Ich lieg im Bett und da brauch ich keine Sorgen" oder ähnliches einzureden um am Einschlaf hinderliche Gedanken zu verbannen.
  • Man sollte im Bett niemals auf die Uhr schauen, denn es folgen Gedanken wie das Ausrechenen der restlichen Schlafzeit was wiederum Stress auslöst. Besser ist es sich zu denken "mir egal wie spät es ist wenn ich gar nicht einschlaf box ich den Tag morgen schon irgendwie durch und dann schlaf ich morgen umso besser". 
  • Helles Licht spät abends vermeiden. Dazu zählen auch Computerbildschirme und Displays, helles Licht sagt unserem Körper dass noch Tag ist weshalb das Einschlafen schwerer fällt. Studien haben nachgewiesen dass Leute die vor dem einschlafen noch mit dem Handy texten weniger und schlechteren Schlaf haben.
  • Auf Ausschlafen am Wochenende sollte verzichtet werden, da dies den Rythmus wieder empfindlich durcheinander bringen kann. Generell sollte man "so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich" schlafen. 
Wichtig ist eine gute Disziplin und Durchhaltevermögen. Hat man den Schlaf mit diesen Methoden in den Griff bekommen kann man nach der Zeit die Schlafzeit auch wieder etwas erhöhen. Reichen diese Methoden allerdings nicht aus, oder treten Schlafstörungen nur sehr punktuell auf kann eine vorübergehende Einnahme von Phytopharmaka oder rezeptfreiem Arzneimittel das Richtige sein.


Übersicht: Welche Mittel zum Einnehmen gibt es?

  • Phytopharmaka - Unbedenklich, wirksam wenn auch begrenzt.
  • Rezeptfreie Arzneimittel - Wirksam und relativ unbedenklich, aber Nebenwirkungen möglich.
  • Rezeptpflichtige Arzneimittel - Stark wirksame Medikamente, meist mit Nebenwirkungen, Einnahme nur durch Arzt.


Phytopharmaka

Typisches Kombi-Präparat: Hopfen,
Baldrian und Melatonin.
Die klassischen pflanzlichen Präparate die als Einschlafhilfe in Frage kommen haben den großen Vorteil dass sie kaum Nebenwirkungen und Suchtpotential haben. Für einige Präparte ist eine positive Wirkung durch Studien belegt. Im wesentlichen kommen folgende 3 Pflanzen in Form von Extrakten zum Einsatz. Sie haben gemeinsam dass sie sedierend und anxiolytisch wirken. Oft werden diese Pflanzen auch in Kombination als leichtes Schlafmittel verkauft. Die ersten 3 Präparate sind rezeptfrei und gelten als unbedenklich, Kava Kava hingegen ist streng rezeptpflichtig und war vorübergehend verboten.

Baldrian - das klassische Arzneimittel bei Nervosität und Schlafstörungen. Nachgewiesene Wirkung, Valerensäure wirkt auf GABA-A Rezeptor.
Passionsblume - nachgewiesene Wirkung die ähnlich dem Baldrian ist, Flavonoide wirken auf GABA-A Rezeptor.
Hopfen - Wirkung und Wirkmechanismus noch nicht ganz klar
Kava Kava - Wirkung belegt und stärker als die anderen, allerdings streng rezeptpflichtig! Wurde vorübergehend verboten aufgrund des Verdachts von Lebertoxizität. Heute geht man davon aus die Toxizität durch Verunreinigungen verursacht war weshalb Kava Kava vor einem Comeback steht.


Rezeptfreie Arzneimittel

Wie der Name sagt können folgende Arzneimittel ohne Rezept in der Apotheke erworben werden. Wieder geht es im Grunde um 3 Arzneimittelarten. Die Wirkung ist schon etwas stärker allerdings sind auch Nebenwirkungen möglich.


Diphenhydramin-Dragees.
Antihistaminika der 1. Generation.
Antihistaminika - Antihistaminika wurden entwickelt um Allergien zu behandeln. Man fand aber heraus dass sie auch sehr sedativ wirken. Man nennt diese Arzneimittel "Antihistaminika der 1. Generation", und sie kommen noch heute vor allem als Einschlafhilfe zum Einsatz. Für Allergien verwendet man heute "Antihistaminika der 2. Generation" welche nicht mehr müde machen da sie nur peripher wirken. Antihistaminika wirken als Schlafmittel von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Wichtig ist zu beachten dass man auch am nächsten Tag noch beeinträchtigt sein kann weshalb Vorsicht geboten ist (Verkehrstauglichkeit!). Eine Sucht oder Missbrauch wird gewissermaßen vorgebeugt da nach längerer Gabe sich ein Wirkverlust einstellt, ein  Hochdosieren allerdings vor allem stärkere Nebenwirkungen hervorruft. Gängige Wirkstoffe sind Diphenhydramin, Pheniramin und weitere.

Rezeptpflichtiges Melatonin Präparat.
Es gibt auch nicht-rezeptpflichtige.
Melatonin - Melatonin ist ein Hormon das den Schlaf/Wach-Rhythmus regelt und wichtig für die Regenerierungsprozesse im Schlaf ist. Es hilft vor allem wenn aufgrund von Jetlag, Schichtdienst oder ähnlichem dieser Rhythmus gestört wurde. Auch bei alten Patienten kann eine Behandlung mit Melatonin Sinn machen da dieses Hormon im Alter weniger produziert wird. Ob Melatonin auch sonst hilft ist umstritten, gute Studien die das belegen fehlen bis jetzt. Es gibt rezeptfrei aber auch rezeptpflichtige Präparate.

Phenibut - Als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben, aber von der Wirkung her nicht ohne ist Phenibut. Allerdings ist von einer Selbstmedikation aus verschiedenen Gründen wie Missbrauch und Nebenwirkungen abzuraten. Siehe hier.

Benzodiazepin-Präparat: Heute
nur mehr bei speziellen Fällen
von Schlafstörungen.

Rezeptpflichtige Arzneimittel

Folgende Arzneimittel sind nur durch eine Verschreibung eines Arztes erhältlich, und werden in der Regel nur in schweren Fällen angewendet.

Benzodiazepine - Heute aufgrund des Missbrauchpotenzials und Sucht kaum mehr verwendet, stattdessen verwendet man heute Z-Drugs. siehe Benzodiazepine

Z-Drugs - Wirken an gleicher Stelle wie Benzodiazepine (GABA-A - Rezeptor Modulatoren) allerdings noch spezifischer (einer bestimmten Art von GABA-A  - Rezeptoren), im Vordergrund steht die schlafanstoßende Wirkung. Kaum angstlösende und muskelrelaxierende Wirkung. Haben generell eine kurze Halbwertszeit was bei Schlafstörungen erwünscht ist da es am nächsten Tag zu keiner Beeinträchtigung kommt. Die Suchtgefahr soll wesentlich geringer sein als bei Benzodiazepinen. Es gibt drei Wirkstoffe:
  • Zopiclon - Halbwertszeit ca. 5 Stunden (gut für Ein- und Durchschlafstörungen)
  • Zolpidem - Halbwertszeit ca. 2-3 Stunden
  • Zaleplon - Halbwertszeit ca. 1 Stunde (ideal für Einschlafstörungen) 
Antidepressiva - Einige Antidepressiva haben eine stark anxiolytische und sedierende Komponente. Diese eignen sich besonders gut zur Behandlung wenn eine Depression und eine Schlafstörung vorliegt. Da Antidepressiva allerdings kein Suchtpotenzial haben können vor allem leichte Antidepressiva wie Trazodon mit geringen Nebenwirkungen auch angewendet werden wenn nur eine Schlafstörung vorliegt. siehe Antidepressiva

Neuroleptika - Neuroleptika werden eigentlich dazu verwendet Psychosen zu behandeln. Allerdings haben manche Neuroleptika auch eine stark schlaffördernde Wirkung. Bei Schlafstörungen ist eine weit geringere Dosierung notwendig als bei Psychosen. Auch Neuroleptika haben kein Suchtpotenzial.