Benzodiazepine

Alparazolamtablette - Ein
häufg verschriebenes
angstlösendes Benzodiazepin
Seit Anfang der 60er Jahre begann mit dem ersten Benzodiazepin Chlordiazepoxid eine neue Ära der Anxiolytika und Sedativa. Durch die Entwicklung von Benzodiazepinen mit unterschiedlicher Potenz und Eigenschaften wurden die wesentlich gefährlicheren Barbiturate verdrängt.

Alle Benzodiazepine haben im wesentlichen 3 Eigenschaften die allerdings je nach chemischer Struktur unterschiedlich stark ausgeprägt sind:
  • Angstlösend
  • Sedierend (Schlafanstoßend und fördernd, beruhigend)
  • Muskelrelaxieren und krampflösend
Benzodiazepin ist der Names
des chemischen Grundgerüsts:
Ein Benzolring anelliert mit einem
Diaz(=2 Stickstoffatome)epin(7-Ring)

Diese Wirkungen werden über die GABA(A)-Rezeptoren vermittelt. Benzodiazepine verstärken den Effekt des Neurotransmitters GABAs am GABA-Rezeptor wodurch es zu einer verminderten Aktivität von Neuronen kommt. In diesem Sinne sind sie dem Alkohol ähnlich, verfügen aber nicht über dessen Toxizität und haben eine hohe therapeutische Breite und damit Sicherheit.

Eingesetzt werden Benzodiazepine vorwiegend bei
  • Angsterkrankungen (als Tranquilizer/Anxiolytikum)
  • Schlafstörungen (als Hypnotikum)
  • Epileptischen Anfällen und als Muskelrelaxans

Bei Angsterkrankungen werden Benzodiazepine heute nur mehr mit kurzer Halbwertszeit bei akuten Angstzuständen eingesetzt. Primär erfolgt die Therapie einer Angsterkrankung mit Antidepressiva.

Auch bei Schlafstörungen sind Benzodiazepine heute nicht mehr das Mittel der ersten Wahl da Benzodiazepine die Gefahr der Abhängigkeit und des Missbrauchs haben. Oft wird deshalb auf Z-Drugs, Neuroleptika (niedrig dosiert) oder moderne Antidepressiva ausgewichen.

Abhängigkeitspotenzial


Aufgrund der beruhigenden und anxiolytischen Wirkung haben Benzodiazepine die Gefahr der Abhängigkeit und des Missbrauchs. Es fällt dem Patienten leichter einen "Sorgenlöser" zu schlucken als Probleme aktiv zu lösen. Eine psychische und physische Abhängigkeit kann sich sehr schnell einstellen weshalb Benzodiazepine nie länger als zwei Wochen durchgehend eingenommen werden sollten und eine Verschreibung sollte nur nach strenger Indikationsstellung und so niedrig dosiert und kurz wie möglich erfolgen. Ein Benzodiazepin-Entzug ist vergleichbar mit einem Alkohol-Entzug.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Benzodiazepine dämpfen das Wahrnehmungsvermögen und mindern die kognitive Leistung sowie auch die Körperbeherrschung. Dadurch erhöhen sie das Unfallsrisiko im Straßenverkehr sowie im sonstigen alltäglichen Leben zum Beispiel in Form von Stürzen  (Insbesondere bei älteren Leuten).

Wirkstofftabelle

Eingeteilt können Benzodiazepine nach ihrem Einsatzgebiet, der Wirkdauer oder auch nach ihrere chemischen Struktur werden.


Wirkstoff Wirkungstyp Halbwertszeit
(Metaboliten-HWZ)
Alprazolam Tranquilizer, Anxiolytikum 12–15 h
Bentazepam Tranquilizer, Anxiolytikum 2,8–4,5 h
Bromazepam Tranquilizer, Anxiolytikum 15–28 h
Brotizolam Hypnotikum, Sedativum 3–6 h
Chlordiazepoxid Tranquilizer 5–30 h
Clobazam Tranquilizer, Anxiolytikum 18 h
Clonazepam Antiepileptikum 30–40 h
Clorazepat Tranquilizer 2 h
Clotiazepam Anxiolytikum, Myotonolytiku 4 h
Delorazepam Anxiolytikum, Prämedikation 80–115 h
Diazepam Tranquilizer, Anxiolytikum 24–48 h
Diclazepam Tranquilizer, Anxiolytikum, 42 h
Etizolam Hypnotikum, Anxiolytikum 3,5 h
Flunitrazepam Hypnotikum 16–35 h
Flurazepam Hypnotikum 1,5 
Loprazolam Tranquilizer 8–9 h
Lorazepam Tranquilizer, Hypnotikum 12,9–16,2 h
Lormetazepam Hypnotikum 10–14 h
Medazepam Tranquilizer 2–5 h
Midazolam Kurzhypnotikum 1,5–2,5 h
Nitrazepam Hypnotikum, Antiepileptikum 18–30 h
Nordazepam Tranquilizer 50–90 h
Oxazepam Tranquilizer 5–15 h
Phenazepam Tranquilizer 60 h
Prazepam Tranquilizer 1,5 h
Temazepam Hypnotikum 5–13 h
 Tetrazepam Myotonolytikum (Muskelrelaxans) 18 h
Triazolam Hypnotikum 1,4–4,6 h