Donnerstag, 21. Januar 2016

Das "Nahrungsergänzungsmittel" Phenibut

Phenibut als Supplement
von der Firma
GN Laboratories
Seit längerer Zeit wird in Europa und den USA Phenibut als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.

Update: Phenibut bald nicht mehr legal

Dabei soll es Stress reduzieren, Ängste lösen und Schlafproblemen beseitigen, hinzu soll es nicht die Leistungsfähigkeit einschränken. Doch um was für eine Substanz handelt es sich eigentlich und sind die Versprechungen wahr? Und sollte Phenibut frei vertrieben werden dürfen oder birgt der Konsum ohne ärztliche Kontrolle große Risiken?

Welche Chemie und Wirkung steckt hinter Phenibut

Phenibut ist von der chemischen Struktur her ident mit GABA, es hängt aber in Position 3 noch ein Phenylrest. Dieser Phenylrest scheint dafür verantwortlich zu sein dass die Verbindung hauptsächlich auf den GABA-B Rezeptor als Agonist wirkt, außerdem macht er die Verbindung lipophil weshalb sie die Bluthirnschranke überwinden kann. Somit ist es vom Wirkmechanismus ähnlich dem Baclofen(welches sich lediglich durch ein Chloratom am Phenylrest von Phenibut unterscheidet) und nicht den Bezodiazepinen oder Alkohol, die als GABA-A Modulator/Agonist wirken.

Der GABA-B Rezeptoraktivität wird nachgesagt dass sie eine ähnlich beruhigende und angstlösende Wirkung wie GABA-A Aktivität auslöst, aber nicht Leistungseinbußen (Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, Schwindel und Benommenheit) verursacht. Dies könnte darauf zurückzuführen sein dass der Schlafmechanismus in Verbindung mit GABA-A Rezeptoren aber nicht mit GABA-B Rezeptoren steht. Die Schlafprobleme würden demnach gelöst werden da Ängste unterdrückt werden, aber nicht der Schlafmechanismus selbst in Gang gesetzt wird. Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber ob, in welchem Ausmaß und ab welchen Dosen Phenibut auch an GABA-A Rezeptoren agonistisch wirkt.

Auch sorgt der Phenylrest dafür dass die Wirkung nur sehr langsam eintritt aber auch sehr langsam wieder abflaut. So tritt die Wirkung oft erst nach bis zu 4 Studen ein, dauert aber 12 und mehr Stunden an.

Da Phenibut sehr sauer ist wird es nur resorbiert wenn der Magen ebenfalls sehr sauer ist, da es dann zum Teil ungeladen vorliegt und durch die Epithelzellen in die Blutbahn diffundieren kann. Der Magen ist im nüchternen Zustand am sauersten, das heißt um eine Wirkung zu verspüren muss Phenibut auf leeren Magen genommen werden.

Geschichte und Verwendung von Phenibut

Phenibut wurde in der Sowjetunion entwickelt und unter anderem den Astronauten beim  Apollo-Sojus-Test-Projekt mitgegeben, für den Fall dass bei den Astronauten Ängste auftreten, die Astronauten aber einsatzfähig bleiben müssen. Seitdem wird Phenibut bis heute in einigen ehemaligen Staaten der Sowjetunion bei vielen psychsichen Krankheiten eingesetzt. Unter anderem bei:
  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Stottern und Tickstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Alkoholkrankheit (Entzug) 
Konsumenten beschreiben die Wirkung häufig als vergleichbar mit einem niedrig dosierten Benzodiazepin. Manche Konsumenten berichten allerdings durchaus von Leistungseinbußen in Form von Müdigkeit, während andere sogar eine leicht aufputschende Wirkung beschreiben. Es hängt wohl von der individuellen Konstitution und der Dosierung ab.

Dosierung und Einnahme von Phenibut

Die allgemeinen Dosierempfehlungen reichen von 500mg bis 1500mg, 1-3 mal täglich, wobei insgesamt täglich nicht mehr als 2000mg eingenommen werden sollten. Die Kapseln sollten mit viel Wasser (300ml und mehr) eingenommen werden.

Gefahren von Phenibut

Phenibut birgt aber auch eine große Gefahr der Abhängigkeit, bereits nach einer kurzen Behandlungsdauer von einer Woche können eine physische sowie psychische Abhängigkeit entstehen. Phenibut sollte also wenn nur sporadisch eingenommen werden auch wenn Hersteller mit ihren Empfehlungen etwas laxer sind(z.B.: GN Laboratories: Maximal 5 Tage in Folge ohne zweitägie Pause). Der Entzug wird allgemein als heftig beschrieben, mit unter anderem folgenden Symptomen:
  • Zittern
  • Angst
  • Schlafstörungen
  • Krämpfe
Obendrein kann Phenibut bei längerer Konsumdauer und/oder höheren Dosen die Leber schädigen, weshalb in Osteuropa und Russland bei einer Behandlung die Leberwerte überprüft werden. Außerdem können aufgrund der stark sauren Eigenschaft Probleme im Magen-Darm-Trakt auftreten, wie zum Beispiel in Form einer Gastritis.

Fazit

Bei Phenibut handelt es sich also um eine durchaus potente aber auch gefährliche Substanz welche frei erworben werden kann. Eine Selbstmedikation mit Phenibut bei einer psychsichen Erkrankung ist nicht zu empfehlen. Bei leichten Stimmungstiefs oder Schlafproblemen sollte man zu Allgemeinmaßnahmen(Sport, Schlafhygiene, Ernährung usw.) und/oder Phytopharmaka greifen, bei ernsten Problemen einen Arzt aufsuchen.