Freitag, 11. September 2015

Wirken SSRIs bei Menschen ohne Depression gegenteilig?

Eine Studie publiziert im Journal Neuropharmacology von Professor Carol A. Shively (Wake Forest Baptist Medical Center) untersucht die Auswirkungen von Sertralin (häufig verschriebenes SSRI) auf das Gehirn von depressiven und nicht depressiven Affen.

Vor Beginn der Studie wurden 41 weibliche Affen mittleren Alters 18 Monate observiert. Weibliche Affen dieses Alters zeigen am häufigsten Anzeichen einer Depression. Anschließend wurden die Affen aufgrund ihres sozialen Verhaltens, den Essgewohnheiten sowie dem BMI in zwei Gruppen unterteilt: Depressive und nicht Depressive. Es folgte bei beiden Gruppen eine 18 monatige Medikation mit Sertralin oder Placebo.

Am Ende wurden die Gehirne mittels MRI untersucht und die Wissenschaftler fanden heraus dass bei depressiven Affen welche Sertralin erhalten hatten ein Teil des Gyrus cinguli (gehört zum limbischen System und ist verantwortlich für Stimmung und Kognition) signifikant gewachsen war.

Umgekehrt fand man bei nicht depressiven Affen die aber mit Sertralin behandelt wurden ein Schrumpfen dieser Region sowie ein Schrumpfen einer weiteren Region, dem Hippocampus.

Bei depressiven Menschen haben oft genau diese 2 Hirnregionen ein geringeres Volumen, ein vermuteter Wirkmechanismus der SSRI ist dass diese Medikamente in genau diesen Regionen das Neuronenwachstum anregt. Dies geschieht aber nur wenn die Menschen auch wirklich depressiv sind.

Die Problematik ist dass SSRIs nicht nur bei Depressionen verschrieben werden sondern zum Beispiel bei Zwangsstörungen, klimakterische Beschwerden und Angststörungen. Auch werden SSRIs in den USA als Lifestyle Medikamente eingesetzt, obwohl wissenschaftlich belegt ist dass gesunde Menschen keinen Nutzen daraus ziehen.

Folglich sollten die Auswirkungen von SSRIs auf Menschen die nicht an Depressionen erkrankt sind weiter untersucht werden, diese Studie gibt Anlass zur Besorgnis.

Quelle
http://www.wakehealth.edu/